Das Schwarze Auge 5: Rabenkrieg — Die Schlacht am Merit-Fluss

Das Schwarze Auge 5: Rabenkrieg — Die Schlacht am Merit-Fluss

Wir schreiben den 16. Boron 1042 BF. Armin Abele erklärt euch einen wichtigen Abschnitt in der Rabenkrieg-Kampagne: Die Schlacht am Merit-Fluss.

Politische Erwägungen

Im ersten Kemikrieg 1007 BF griff Tar Honak zur Strategie der schlagartigen Besetzung wichtiger Orte und der Einsetzung eines einheimischen Mirhamionettenherrschers unter strikter al’anfanischer Kontrolle. Nach einigen Rückschlägen war die Strategie erfolgreich, erwies sich jedoch auf längere Sicht als Fehlschlag, denn der von den Al’Anfanern eingesetzte Gouverneur Merkan konnte keine Rechtfertigung durch Blutlinie oder Verdienste vorweisen und hatte so mit dem breiten Widerstand der nahezu gesamten Bevölkerung zu kämpfen. Nach der Niederlage im Khôm-Krieg und der Einigung des Widerstands durch Königin Peri III. sahen sich die Al’Anfaner im Jahre 1010 BF schließlich gezwungen, den teuren und verlustreichen Kleinkrieg gegen die Kemi aufzugeben und abzuziehen.

Oderin du Metuants Voraussetzungen sind weitaus besser, da er als Verbündete die dem Imperium verbundene Prinzessin Rhônda von Kemi an seiner Seite hat. Die jüngere Halbschwester Königin Elas XV. ist durch ihre traditionalistischen und religiösen Einstellungen bei den einflussreichen konservativen Eliten in Kemi ebenso sehr beliebt, wie ihre königliche Schwester aufgrund der weitreichenden Konzessionen, die sie der horasischen Hegemonialmacht im Laufe der Jahre machen musste, verhasst ist. Sollte es du Metuant und Rhônda gelingen, den Thronanspruch der Prinzessin über den Elas zu stellen, würden ihr auch die Zweifelnden und Unentschlossenen folgen und so die besten Aussichten für ein befriedetes und stabiles, mit Al’Anfa verbündetes Kemi bieten. Um Elas Anspruch auf den Thron zu delegitimieren, bediente sich Rhônda der altehrwürdigen „Unwürdigkeitserklärung“, in der sie ihre Schwester beschuldigt, vom wahren Glauben abgefallen zu sein und ihr Land an eine fremde Macht verloren zu haben. Um den Beweis dafür zu erbringen, dass der von den Kemi als Götterkönig verehrte Gott Boron ihrer Ansicht zustimmt, plant Rhônda zusammen mit ihren al’anfanischen Verbündeten einen Boronszug quer durch das Kemiland bis vor den Thron Elas auf der Tempelinsel Laguana, wo sie diese verhaften und vor ein Kirchengericht stellen lassen will. Sollte der Zug gelingen, im Idealfall mit spektakulären Siegen gegen Elas Truppen, so wäre für die große Mehrheit der Kemi unbestreitbar klar, welche Seite sich Borons Gunst erfreuen würde.

 

Militärische Strategie

Eine Feldzugsstrategie im Kemi-Reich wird durch den Mangel an größeren Häfen und begehbaren Wegen limitiert. Im Norden sind lediglich die Häfen von Yleha, Qinsay, San Torin und die Anlegestelle beim Fischerdorf Kolchis für größere Schiffe geeignet. Der Piratenhafen San Torin ist für die al’anfanischen Planungen von untergeordnetem Interesse, da er über keine Weganbindung ins Hinterland verfügt. Als der Piratenrat sich beim Ausbruch der Feindseligkeiten zudem für neutral erklärt und in einen Waffenstillstand mit den Invasoren eingewilligt hatte, verlor er für die militärische Kampagne jegliche Bedeutung. Ein weiterer Sonderfall ist Kolchis. Im Vergleich zu Qinsay und Yleha, den beiden anderen Landungspunkten, ist Kolchis nur ein winziger, unbefestigter Fischerort. Doch der unweit von Tyrinth liegende Flecken verfügt über eine von der horasischen Kolonialmacht errichtete große Mole und eine gut ausgebaute neue Heerstraße nach Süden. Das Horasreich plante, an dieser Stelle eine starke Seefestung namens „Ameneburg“ zu errichten, um „dem al’anfanischen Koloss das Messer direkt an die Klöten“ setzen zu können (ein Zitat des Botschafters Mariano ya Strozza). Streitigkeiten mit den Kemi über die von den Horasiern verfügte Umsiedlung der Bevölkerung und die Abtretung oder Verpachtung des Gebietes haben die Arbeiten jedoch kurz vor dem Krieg zum Erliegen gebracht.

Vom Norden des Kemireiches führen lediglich zwei für größere Truppenkontingente geeignete Wege nach Süden ins Kernland um die Hauptstadt Khefu und von dort aus nach Laguana. Von Yleha aus führt der Weg an die Südküste der syllanischen Halbinsel und von dort aus nach Westen über die Garether Kolonie Hôt-Alem zur Tempelinsel. Von Qinsay aus führt eine Trasse über Trus und die engen Pässe der Spinnenberge nach Biazzan, einer gut befestigten, größeren Siedlung im kem’schen Nordwesten. Dort trifft dieser Weg auf die Heerstraße aus Kolchis und führt schließlich weiter nach Süden, in Richtung Djáset und Khefu. Die Strategie der Invasoren sieht demzufolge die handstreichartige Besetzung von Kolchis, Qinsay und Yleha vor. Während anschließend die Hauptmacht unter Oderin du Metuant und Rhônda Setepen von Yleha aus nach Süden zieht, sollen kem’sche Rebellen unter General Sinthium von Gogam und al’anfanische Truppen unter Marvana Zornbrecht von Kolchis bzw. Qinsay aus vorrücken und sich vor oder in Biazzan vereinigen. Von dort soll das vereinigte Westheer nach Süden vorstoßen, um die im Raum Djáset vermutete loyalistische Hauptmacht zu bedrohen oder zu schlagen, sodass diese der al’anfanisch-kem’schen Hauptmacht im Osten nicht mehr gefährlich werden kann.

 

Der Zeitpunkt der Invasion und die Loyalisten

Aufgrund des Zögerns des al’anfanischen Patriarchen Amir Honak, der sich lange nicht dazu durchringen konnte, dem Feldzug den notwendigen Segen zu geben, begann die Invasion Wochen später als beabsichtigt. Eigentlich planten die Rebellen und Al’Anfaner vom Bürgerkrieg zwischen den kem’schen Loyalisten und den Corvikanern zu profitieren und vorzustoßen, während sich das loyalistische Heer zersplittert und unter Druck in den Waldgebieten der Sekte befindet. Zu Beginn der Invasion ist dieser Krieg jedoch nahezu zu einem Stillstand gekommen, da es den Corvikanern zwar gelang, die Loyalisten aus ihren Gebieten zu drängen, sie es jedoch nicht vermochten, das loyalistische Heer in der Schlacht am Gutshof Mehajet entscheidend zu schlagen und Djáset zu nehmen.

Zu Beginn der Invasion im Norden befindet sich die loyalistische Streitmacht unter Generalin Chanya Al’Plâne deshalb vollständig versammelt in Djáset. Das Heer hat in den Kämpfen gegen die corvikanischen Sektierer zwar einige Verluste erlitten, ist aber moralisch noch intakt und erhält täglich Verstärkungen aus den Provinzen.

 

Der Auftakt

Am 6. Boron 1042 BF beginnt der Überraschungsangriff der aufständischen Kemi und ihrer al’anfanischen Verbündeten. Während es in Qinsay zu verbissenen Kämpfen kommt, ehe die Angreifer ihre zahlenmäßige Überlegenheit zum Tragen bringen können, fällt Yleha den Invasoren nach einem durch die Hand Borons perfekt inszenierten Putsch kampflos in die Hände. Auch Kolchis kann ohne Gegenwehr besetzt werden; die dort stationierte etwa zwanzigköpfige Miliz ergibt sich der großen Übermacht der kem’schen Rebellen unter General Sinthium von Gogam kampflos. Doch der General verpasst die Gelegenheit, schnell und entschlossen nach Biazzan vorzustoßen. Er kümmert sich zunächst ausschließlich um die Sicherung von Kolchis. In den nächsten Tagen errichten seine Truppen Palisaden und Gräben um das Dorf, um die Landungsstelle vor einem befürchteten Gegenangriff zu schützen.

Als Chanya Al’Plâne am 6. und 7. Boron über Geweihte aus Yleha und Qinsay erste unvollständige und verwirrende Berichte über die Invasion erhält, beschließt sie, ihrem Gefühl zu trauen und von mehr als nur einem größeren Überfall durch rhôndianische Rebellen auszugehen. Noch am Abend des 6. kommt es vor Djáset zu einem Treffen der Generalin mit dem Corvikanerabt Zabar Veserîan Ner’gesi, bei dem die Bürgerkriegsfraktionen nach kurzen Verhandlungen einen Waffenstillstand auf Basis des Status Quo schließen.

Am frühen Morgen des 7. Boron hat Chanya ihre Truppen mobilisiert und zieht mit diesen in Eilmärschen nach Norden. Auf dem Weg nach Norden erfährt sie schließlich auch vom Fall von Kolchis, und so teilt sie ihre Truppe auf und schickt ein starkes Kontingent unter Generalin Quenadya Mes’kha-rê nach Trus, um dort die Pässe zu sperren. Auch die angeforderten Verstärkungen sollen sich dort einfinden. Mit dem Rest ihrer Streitmacht rückt sie nach Biazzan vor, um dort, sobald sich ein klareres Bild ergeben hat, mit der Bedrohung aus Kolchis umzugehen.

 

Sinthium von Gogam

Der Anführer des starken Kontingents kem’scher Rebellen (das mit einem Banner der al’anfanischen Fremdenlegion und einigen Kontingenten von Söldlingen aus Mengbilla und Thalusa verstärkt wurde) in Kolchis ist General Sinthium von Gogam, ein mittlerweile über 70 Jahre alter Veteran der kem’schen Armee. Der General ist ein hervorragender Ausbilder, Organisator und Logistiker und bei seinen Soldaten und Soldatinnen sehr beliebt, weil er sie zwar hart, aber jederzeit gerecht behandelt und stets sehr auf ihr Wohl bedacht ist. Seine größte Schwäche ist jedoch seine exorbitante Selbstverliebtheit, die ihn auf Feldzügen zögerlich und vorsichtig agieren lässt, da er es nicht ertragen könnte, wenn sein Selbstbild durch mögliche Rückschläge erschüttert würde. Er neigt dazu, Zahl und Fähigkeiten seiner Gegner zu überschätzen und die Schlacht zugunsten einer oft übervorsichtigen Manöverstrategie zu vermeiden.

Sinthium war unter Königin Peri III. Oberbefehlshaber der kleinen Schutztruppe der damals noch mittelreichischen Kolonie Trahelien, ehe er aufgrund mäßiger Leistungen in Feldzügen gegen die Brabaker und Piraten durch Chanya Al’Plâne ersetzt wurde, eine junge Offizierin, deren Talent er als erster erkannt und die er als Mentor gefördert hatte. Diese Zurücksetzung hat er Königin Peri nie verziehen. Als seine Rehabilitierung auch unter der Regentschaft von Peris Tochter Ela ausblieb, setzte er sich nach Anûr ab und schloss sich Prinzessin Rhônda an, wo er aus der undisziplinierten und inhomogenen Söldnertruppe der Renegatin eine schlagkräftige Armee formte.

Biazzan

Während Chanya Al’Plâne ihre Truppen in Eilmärschen bis zum 11. Boron nach Biazzan bringt und Marvana Zornbrecht immer noch mit hartnäckigem Widerstand und unbrauchbarem Kartenmaterial zu kämpfen hat, verharrt Sinthium von Gogam bis zum 9. Boron weiter in Kolchis, das er zu einer veritablen Festung ausbauen lässt, obschon es für ihn durchaus möglich gewesen wäre, mit einem entschlossenen Vorstoß Biazzan vor Chanya zu erreichen. Kurz nach dem Abmarsch aus Djáset ist sich Chanya über ihren Gegner im Klaren. Sie plant, Sinthiums Übervorsichtigkeit auszunutzen und ihn mittels einer Scharade in Kolchis zu neutralisieren, während sie ihre Streitmacht mir der von Quenadya Mes’kha-rê bei Trus vereinigt, um gemeinsam gegen Marvana Zornbrecht vorzugehen.

Um Sinthiums in Biazzan zahlreich vorhandene Spione zu täuschen, schickt sie einen kleinen Voraustrupp unter ihrem Quartiermeister Amen’rê Ni Ahet nach Biazzan, der dort beharrlich von der bald eintreffenden „Vorhut“ der loyalistischen Truppen spricht und ein großes Areal als „Lagerplatz“ für die in wenigen Tagen erwartete Hauptmacht vor der Stadt beschlagnahmt. Der Offizier lässt zudem alle verfügbaren Sägen, Beile und Schaufeln in Biazzan requirieren und nimmt gegen exorbitante Bezahlung alle, die sich in den Waldgebieten westlich der Heerstraße nach Kolchis auskennen, in seinen Dienst. Unter ihren Leuten und durch ihren Quartiermeister in der Siedlung lässt Chanya zudem das Gerücht verbreiten, dass sie das „Unmögliche“ zu wagen bereit ist und Kolchis aus den Dschungellanden westlich der Stadt anzugreifen beabsichtigt, um Sinthiums Rebellen die Basis und Rückzugslinien abzuschneiden. Um die Täuschung zu perfektionieren, entsendet sie noch vor ihrer Ankunft in Biazzan einige kleine Spähtrupps in die Dschungelgebiete, die durch Lagerfeuer und Hornsignale den Eindruck einer Vorhut aus Spähern vermitteln sollen.

 

Kolchis

In Kolchis schluckt Sinthium den Köder und erklärt vor seinen fassungslosen Offizieren, dass eine Verteidigungsschlacht um Kolchis anstünde und er angesichts der Bedrohung keinesfalls nach Süden vorrücken könne. Die Meinung seines Adjutanten Nechbet von Morgenfeldt, dass Chanya ihn in die Irre führe, da ein Vordringen durch die Dschungelgebiete westlich von Kolchis keiner Armee der Welt möglich sei, weist er brüsk zurück und erklärt, er kenne Chanya besser als alle anderen und wisse deshalb, dass sie eine Umgehung nicht nur plane, sondern sicher auch bewerkstelligen könne. Über seinen Beichtvater lässt er Prinzessin Rhônda im Hauptquartier in Yleha seinen Entschluss, nicht aus Kolchis abzurücken, mitteilen und erbittet dringend Verstärkungen, da er in Kürze einer gewaltigen loyalistischen Übermacht gegenüberstehen würde. Doch Prinzessin Rhônda befiehlt Sinthium kühl und knapp den sofortigen Vormarsch und die Besetzung von Biazzan. Der General bekommt daraufhin einen Wutanfall und lamentiert, dass „Inkompetenz und Blindheit“ ihn dazu zwingen würden, seine Armee sehenden Auges in den Untergang zu führen. Er könne in keinem Fall die Verantwortung für das unabwendbare Desaster übernehmen. Am Morgen des 9. Boron rückt er endlich von Kolchis aus nach Süden vor.

 

Vormarsch

In Biazzan erfährt Chanya vom Scheitern ihres Planes und dem Vorrücken General Sinthiums. Nun bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich zuerst um diese Streitmacht zu kümmern, ehe sie sich nach Osten gegen Generalin Zornbrecht wenden kann. Zum Glück bewegen sich Sinthiums Truppen nur sehr vorsichtig voran, stets auf der Hut vor einem vermeintlichen Angriff aus den westlichen Wäldern. Zur Sicherung seiner Rückzugslinien lässt Sinthium in regelmäßigen Abständen Forts an der horasischen Straße errichten, die sich im Falle eines Angriffs der Loyalisten so lange halten sollen, bis die Nachbarforts Hilfe schicken können und seine sich dann zurückziehende Rebellenarmee eintrifft. Sinthium schwächt damit seine zahlenmäßige Überlegenheit signifikant und macht auch diesen Vorteil zunichte.

 

Der Plan der Loyalisten

Als Schlachtfeld wählt Chanya den Übergang der Heerstraße über den Merit-Fluss aus, wenige Meilen nördlich von Biazzan. Die Furt über den ansonsten schwer passierbaren, schlammigen, dicht bewachsenen und krokodilverseuchten Fluss ist die einzige Stelle, an der eine größere Truppe schnell und gefahrlos übersetzen kann. Um Sinthium den Übergang schmackhaft zu machen und ihre Leute außerhalb der Reichweite von Sinthiums berühmt-berüchtigten Bogenschützen zu halten, plant Chanya, den Flussübergang der Rebellen nur durch eine kleine, aus Freiwilligen bestehende Schutztruppe zu verzögern, die, in Wappenröcke der Stadt Biazzan gehüllt, Sinthium den Eindruck vermitteln sollen, nur eine eilig zusammengetrommelte Stadtmiliz als Gegner zu haben. Ihre Hauptmacht hält Chanya außer Sicht hinter einem steilen Hügel am Südufer des Merit verborgen. Ein gutes Drittel ihrer Streitmacht unterstellt sie ihrer rechten Hand, Generalin Jesabela Bajan, die über eine vor etwa zwei Monden errichtete Steinbrücke einige Meilen östlich der Furt über den Fluss vorrücken soll und dann in die linke Flanke der Rebellen einbrechen soll, wenn diese einen guten Teil ihrer Streitmacht in einem Brückenkopf südlich des Flusses und im Fluss stehen haben. Zu diesem Zeitpunkt würde Chanya ihre Hauptmacht ins Gefecht führen und den Brückenkopf der Rebellen angreifen. Schnelligkeit ist bei diesem Plan von größter Bedeutung, denn wenn Sinthiums Soldatinnen und Soldaten den Hügelkamm erobern und ihre Bogenschützen darauf in Stellung bringen sollten, bliebe Chanya nur der Rückzug nach Biazzan und die Abwehr einer Belagerung der Stadt.

 

Der Plan der Rebellen

Am 16. Boron treffen Sinthiums Rebellen endlich an der Furt ein. Der General agiert einmal mehr sehr vorsichtig und befiehlt eine Rast und das Anlegen von Befestigungen. Zur Absicherung seiner linken Flanke entsendet er die al’anfanischen Fremdenlegionäre unter Hauptmann Alfonso Lecandura y Morina de Visario nach Osten. De Visario hat die Aufgabe, bis zu Theras Brücke vorzudringen und diese zu besetzen oder zu zerstören. Der al’anfanische Hauptmann ist ein entfernter Verwandter des al’anfanischen Granden Oboto Florios, der die feste Absicht hat, den Krieg für seinen Aufstieg in der Gunst des Familienoberhauptes zu nutzen, und nimmt die Aufgabe mit einer Mischung aus übertriebenem Ehrgeiz und Verachtung für die „Dschungelbauern“, die es zu bekämpfen gilt, mit „Freuden“ entgegen. Sollte de Visario seinen Auftrag erfüllt haben und die linke Flanke sicher sein, würde Sinthium mit seiner Hauptmacht über den Fluss gehen, die Miliz aus Biazzan zerstreuen und in die Stadt selbst einrücken, wo er seine Truppen gegen Chanyas irgendwo im Norden operierende Hauptmacht relativ sicher wüsste.

 

Die Schlacht beginnt

Während sich an der Furt Chanyas kleine Sicherungstruppe und Sinthiums große Streitmacht belauern, treffen de Visarios Fremdenlegionäre in den Drachenmarschen, einem neu erschlossenen Gebiet, auf die Vorhut von Jesabela Bajans Kampftruppe. Die Vorhut besteht aus gut zwei Dutzend Achaz-Axtkämpfern, die je zu zweit auf Reitechsen reiten. Dazu kommen noch fünf Laguanerinnen zu Pferde und etwa dreißig leicht bewaffnete Milizionäre, die bisher der Armee als Fuhrknechte gedient haben und nun zusammen mit ihren Maultieren als berittene leichte Infanterie agieren. Es entwickelt sich ein kleineres Scharmützel, doch Bajans Vorhut zieht sich schnell zur Hauptmacht zurück, als immer mehr Fremdenlegionäre auftauchen. Nun unterläuft de Visario ein entscheidenden Fehler:

Angestachelt durch den „Sieg“ im Vorhutgeplänkel entsendet er einen Boten an die Hauptmacht, der von einem großen Sieg der Fremdenlegion kündet und berichtet, dass er gedenke, den geschlagenen Feind zu verfolgen und ihn gänzlich zu vernichten. Sinthium nimmt diese Nachricht zum Anlass, endlich die Überquerung der Merit-Furt in Angriff zu nehmen und setzt seine Truppen in Bewegung. Seine Schützen sammelt er zum großen Teil an seiner linken Flanke, von wo aus sie die kleine Schutztruppe der Loyalisten unter Beschuss nehmen. Die Loyalisten kämpfen tapfer, werden aber unter hohem Blutzoll langsam hügelaufwärts zurückgedrängt. Als die berittene Infanterie zur loyalistischen Hauptmacht zurückkehrt, bringt Generalin Bajans Vorsicht Chanya noch mehr in Bedrängnis, da sie sich gegen einen entschlossenen Angriff auf die Fremdenlegionäre entschließt und stattdessen eine starke Defensivstellung auf erhöhtem Gelände einnimmt, um den nächsten Zug des Gegners abzuwarten. Der entschließt sich zu einem zwar wagemutigen, aber letztlich fatalen Frontalangriff auf die Loyalisten.

Was de Visario zu diesem Angriff bewogen hat und warum er beim Anblick der starken loyalistischen Kampfgruppe keinen Boten zu General Sinthium schickt, um ihn vor dem Umgehungsversuch zu warnen, bleibt unklar. Möglicherweise unterschätzt der Hauptmann die Kampfkraft der „Dschungelbauern“ oder er will nach der verfrühten Siegesmeldung sein Gesicht nicht verlieren – in jedem Fall greifen die Fremdenlegionäre mit Todesverachtung hügelaufwärts an, werden aber, erschöpft und in der Unterzahl, von Generalin Bajans wuchtigem Gegenangriff über den Haufen geworfen. Am Fuße des Hügels wird der Großteil der Fremdenlegion eingekreist und bis auf die letzte Seele abgeschlachtet, in ihrer Mitte Hauptmann de Visario, dessen Mut Generalin Bajan so beeindruckt, dass sie nach dem Krieg von ihm sagt, er habe mit dem Herzen eines Schlingers gekämpft, aber – leider für ihn – auch mit dessen Hirn. Jesabela Bajan ist sich bewusst, dass ihr Zögern für Chanyas Hauptmacht fatal sein könnte, und so peitscht sie ihre Truppen voran, um noch vor dem Zusammenbruch der loyalistischen Front an der Furt zur Stelle zu sein.

Unterdessen drängen Sinthiums Veteranen und Schützen an der Furt Chanyas Vorhut mehr und mehr hügelaufwärts, und die dünnen Linien der Loyalisten sind dem Zusammenbruch so nahe, dass Chanya ihrer Hauptmacht bereits den Befehl gegeben hatte, den Hügelkamm zu besetzen und diesen gegen Sinthiums Heer und Schützen zu halten, koste es was es wolle.

 

Zusammenbruch

Just zu dem Zeitpunkt, an dem die loyalistische Hauptmacht sich bereitmacht, in den Kampf einzugreifen, bricht Jesabela Bajans Kampfgruppe aus den Wäldern östlich der Furt und attackiert Sinthiums linke Flanke. Die Bogenschützen der Rebellen haben der schweren Infanterie ihrer Gegnerin wenig entgegenzusetzen; die meisten werfen ihre Waffen fort und versuchen zu fliehen. In dem Chaos und Getümmel kann auch die thalusische und mengbillanische leichte Infanterie keine zusammenhängende Linie formieren und bricht schnell zusammen. Als in diesem Moment Chana Al’Plânes Hauptmacht über den Hügelkamm stürmt und den Brückenkopf der Rebellen von drei Seiten angreift, verliert General Sinthium von Gogam die Übersicht und die Nerven. Er lässt zum Rückzug blasen, um seine Armee aus der Falle zu befreien, doch die Signale verstärken nur noch das Chaos in seinen Reihen. Zahlreiche Soldaten im Brückenkopf lösen sich vom Gegner, um durch die Furt zu fliehen, reißen dadurch aber nur Lücken in die Verteidigungslinien und kommen zudem ihren Kameradinnen und Kameraden, die sich noch im Wasser befinden, in die Quere.

Der Brückenkopf bricht schnell zusammen und Sinthiums beste Leute finden sich nun umzingelt und durch den Fluss und Bajans Kampfgruppe vom Rest der Rebellenarmee abgeschnitten. Während dieser Phase des Kampfes fällt schließlich auch General Sinthium von Gogam, und sein Adjutant von Morgenfeldt übernimmt das Kommando. Dem Hauptmann gelingt es kurzzeitig, die Reste der Rebellentruppen zu sammeln und geordnet Widerstand leistend nach Norden zurückzuführen, wo er auf einem Hügel Stellung beziehen will.

Doch Jesabela Bajan erkennt gedankenschnell die neue Situation und macht ihren Fehler vom Kampf in den Drachenmarschen wieder gut. Sie sammelt ihre Truppen, die sich vom Feind lösen, und führt sie auf die Rückseite des Hügels, wo sie den gegen Chanya Al’Plânes Hauptmacht verbissenen Widerstand entgegensetzenden Rhôndianern in den Rücken fallen. Kurz darauf kapitulieren die wenigen Rebellen, die das Gemetzel überlebt haben.

 

Epilog

Die loyalistische Armee verliert nach dem Sieg am Merit-Fluss keine Zeit. Chanya lässt ihre Verwundeten und Erschöpften in Biazzan zurück und zieht mit dem Rest ihrer Truppe nach Trus, wo sie rechtzeitig eintrifft, um sich mit der Streitmacht von Quenadya Mes’kha-rê gegen die al’anfanische Armee von Generalin Marvana Zornbrecht zu vereinigen. Die wenigen Überlebenden von General Sinthium von Gogams Rebellenarmee werden auf Befehl der Bürgermeisterin von Biazzan, Amira Thet’mes, wenige Tage nach der Schlacht zum Tode verurteilt und an mehreren Galgen gehängt; eine Entscheidung, die der Bürgermeisterin die zweifelhafte Ehre einbrachte, nach dem Krieg als eine von nur drei Kriegsverbrechern auf Befehl Königin Rhôndas dem Scharfrichter übergeben worden zu sein.

Ungeklärt bleibt bis heute, durch wessen Hand General Sinthium von Gogam letztendlich den Tod fand. Legenden, wonach Chanya Al’Plâne ihren ehemaligen Mentor hoch zu Ross heldenhaft im rondrianischen Zweikampf niedergestreckt habe, kommentiert Chanya nach dem Krieg nur mit der lakonischen Bemerkung, dass sie am Merit zwar „einige Dinge getan“ habe, aber dass sie nicht glaube, dass „Rondra oder Sinthium entscheidend darin involviert gewesen“ seien. Sinthium von Gogams kopfloser und geplünderter Leichnam wurde nach der Schlacht im Merit-Fluss treibend gefunden und weist drei potenziell tödliche Wunden auf: Ein Axthieb hat ihm den Unterbauch bis zur Wirbelsäule geöffnet, ein Schwertstich, der unter der linken Achsel eindrang, den Oberkörper durchbohrt und ein Pfeil seinen Hals durchschlagen.

So wird es weiterhin in den Kneipen und Tavernen in Kemi von ehemaligen Söldnern und Soldatinnen nur so wimmeln, die gegen ein Bier die „wirklich wahre“ Geschichte erzählen, wie sie selbst dereinst den großen General Sinthium von Gogam bei der Schlacht am Merit-Fluss getötet haben.

Mit taktischen Grüßen, euer Armin Abele

 

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Zuletzt aktualisiert: 7. Juni 2022 by Ulisses Spiele GmbH



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