ALIEN: Das Rollenspiel — Colonial Marines Einsatzhandbuch

ALIEN: Das Rollenspiel — Colonial Marines Einsatzhandbuch

Willkommen im Krieg am äußersten Rand des bekannten Raums, Marine – wo das Abfeuern von Atomraketen alltäglich, Impulsmunition Kaliber 10 mm billig und ein Menschenleben nur sein Gewicht in Aktienoptionen wert ist. Das Leben hier ist die Hölle, aber nichts davon ist so schlimm wie das Aufblitzen metallischer Reißzähne. Mirko erklärt dir, warum das Colonial Marines Einsatzhandbuch unentbehrlich für eine Reise ins Weltall ist.

Im Fadenkreuz: Das Colonial Marines Einsatzhandbuch

Die Colonial Marines gehören wohl zu den ikonischsten Elementen des ALIEN-Universums. Nachdem sie 1986 erstmals in ALIENS das Licht der Kinoleinwand erblickt hatten, sind sie kaum noch wegzudenken. Sie erschienen nicht nur in den Filmen, sondern auch in Romanen, Videospielen – und nun auch im Rollenspiel. Die neueste Erweiterung für ALIEN – Das Rollenspiel widmet sich diesen verwegenen Weltraum-Soldaten. Im Colonial Marines Einsatzhandbuch erfahren wir nicht nur die Hintergrundgeschichte dieser Kampftruppe, sondern erhalten auch viel Input fürs Spiel – und sogar eine komplette Kampagne.

Dabei widmet sich das Buch einem bisher noch etwas vernachlässigtem Spielmodus: dem Kampagnenmodus. Anders als der cinematische Modus, der mehr oder weniger einen Alien-Kinofilm simuliert, baut der Kampagnenmodus auf dem Wunsch vieler Spieler auf, einen eigenen Charakter durch eine Vielzahl von Abenteuern zu führen, ihn Gefahren überwinden zu lassen, durch Erfahrung zu reifen – und, ja, auch bisweilen um ihn zu trauern, falls er eine heikle Mission nicht überlebte. Es gibt daher keine vorgegebenen Charaktere im Buch, keine bis ins Detail ausformulierten Szenarien, keine Motive und Ziele. Nur einen einzigen, fetten Baukasten für den Spielleiter.

Wo wir schon bei „fett“ sind: 352 Seiten umfasst das Buch. 352 Seiten, die nur so strotzen vor martialischem Sprachgebrauch, dem beißenden Geruch eines Feuerwerfers und den Schreien von Befehlen im Chaos der Schlacht. Ein Leben bei den Colonial Marines ist verdammt hart und der Lohn absolut überschaubar – so fassen es die Autoren zu Beginn des Buchs treffend zusammen.

Aber was genau erwartet uns in dem Werk?

Da es sich um einen Quellenband handelt, dürfen natürlich Fakten und Hintergründe nicht fehlen. Auf mehreren Seiten wird die Geschichte des ALIEN-Universums zusammengefasst, wobei der Fokus auf Scharmützeln und Kriegen liegt – von denen es wahrhaftig genug gab, seitdem der Mensch den Planeten Erde verließ. Biologische Kriegsführung, Androiden, geheime Forschungsanlagen, Firmenübernahmen und Wirtschaftskriminalität – all das gehört zur DNA des ALIEN-Universums und wird hier ausführlich behandelt.

Dann geht es ans Eingemachte. Wir erfahren etwas über Struktur und Zusammensetzung der Colonial Marines, beginnend von der kleinsten Größe, einem Zweimann-Team (Trupp), bis hin zum Oberkommando. Eine solche straffe Struktur birgt natürlich das Risiko, dass es auf unschöne Weise auf den Spieltisch durchsickert, dass ein Spieler die Befehlsgewalt aufgrund des Ingame-Rangs seines Charakters hat und anderen Spieler den Spaß am Spiel vermasseln könnte. Hier greifen die Autoren aber relativ schnell ein und betonen immer wieder, dass all dies nur Richtlinien sind. „Vergiss die Kommandokette und lass die Spieler über ihr eigenes Schicksal entscheiden“, raten sie dem Spielleiter und betonen: „Am Spieltisch sitzt kein Anführer; alle Spieler haben gleich viel zu sagen.“ Ein guter und im Zusammenhang dieses Themas notwendiger Hinweis!

Insofern ist der Aufbau einer Einsatzgruppe der Colonial Marines auch nur als Richtlinie zu betrachten. Klar: Wenn erstmal die erste ALIENS heranrücken und das Gesicht des Sergeants durch Säurespucke wegschmilzt, spielt die Einteilung in Trupps, Gruppen und Kompanien keine Rolle mehr: Jeder sieht zu, dass er seine eigene Haut rettet!

Langsam kommen die (für mich) interessanten Sachen: Das Erstellen eines Marines-Charakters. Die Charaktererschaffung aus dem Grundregelwerk wird hier etwas modifiziert, bleibt aber immer noch übersichtlich. So kann jeder Spieler eine MBS – Militärische Berufsspezialisierung wie Schütze, Feldsanitäter oder Sturmsoldat (neben vielen weiteren) wählen. Jeder Marine würfelt danach auf einer Tabelle namens Feldereignisse, um bisherige Erfahrungen im Einsatz zu simulieren. Dadurch steigen gewisse Werte oder man erhält besondere Erinnerungsstücke. Es gibt fünf neue Talente, die den Flair des Soldatenlebens rüberbringen und natürlich eine Startausrüstung – womit wir auch gleich bei der Hardware wären.

Im nächsten Kapitel wird die Ausrüstung beschrieben: ein kleines Arsenal neuer Waffen von der Dienstpistole bis zum Phasen-Plasma-Infanterie-Geschütz, Sprengstoffe, Spezialmunition und sogar chemische Waffe (verboten sind die nur auf der Erde…). Dazu kommen neue Schutzanzüge und Körperpanzerungen, praktische Werkzeuge und natürlich neue Fahrzeuge zu Boden, in der Luft und in Weltraum.

Das erste Drittel des Buchs ist problemlos auch für zukünftige Spieler lesbar, die sich hier einen Marine nach Lust und Laune zusammenbasteln können, aber ab Seite 110 wechselt die Perspektive, und alles nachfolgende Material ist mehr oder weniger für den Spielleiter, pardon: die Spielmutter,  gedacht.

Kapitel 7 beschreibt den Hintergrund einer Marines-Kampagne. Die Spieler sind hierbei Mitglieder der 33. Marineinfanterie-Sturmeinheit, Kilo-Kompanie, 2. Zug, der von der Conestoga-Fregatta USS Tamb’Itam aus operiert. Zunächst werden Hintergründe der Marineeinheit beschrieben: Hauptquartier, Ausstattung, berühmte Kommandanten, die verfügbaren Raumschiffe und natürlich die Tamb’Itam. In den nächsten Kapiteln werden eine Vielzahl typischer Systeme und Basen der Marines beschrieben, aber auch die Wahrheit hinter mancherlei Geheimprojekte und die aktuelle politische Lage im Grenzraumkrieg – alles Dinge, die ein kreativer Spielleiter zu einer stimmungsvollen Kampagne verwursten kann.

Kampagne & Einzelmissionen — Ganz wie dir beliebt

Wer sich weniger Mühe machen will, kann auf die im Buch beschriebene Kampagne zurückgreifen. Das letzte Kapitel und gut ein Drittel des Buchs enthält insgesamt sieben Missionen, die sich – ergänzt um eigene Szenarien des Spielleiters – zu einer riesigen Kampagne zusammensetzen lassen. Es geht um politische Intrigen, inoffizielle Forschungsprojekte, Mysterien des Grenzraums und nicht zuletzt so manche außerirdische und meist sehr gefräßige Lebensform. Und natürlich: unglaublich viel Ballerei; ob auf Raumschiffen, auf lebensfeindlichen Planeten oder im dichten Dschungel. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Marines in erster Linie zum Kämpfen ausgeschickt werden. Und davon gibt es jede Menge!

Dabei ist die Kampagne so aufgebaut, dass die Spieler durchaus Partei ergreifen können, wobei offen gelassen wird, für welche Fraktion sie sich entscheiden und welche Auswirkungen ihre Entscheidungen haben – hier muss der Spielleiter die sinnvollste Entwicklung abschätzen.

Die sieben Einzel-Missionen sind im bekannten Muster der bisherigen cinematischen Szenarien aufgebaut. Zu jedem Einsatz gehört ein Briefing, eine Liste von NSC, eine detaillierte Beschreibung eines oder mehrerer Schauplätze, einige zufällige oder notwendige Ereignisse. Dazu enthält jede Mission einen kleinen Ratgeber zur alternativen Verwendung der beschriebenen Elemente.

Mein Fazit: Das Colonial Marines Einsatzhandbuch ist ein prall gefüllter Baukasten nützlicher Werkzeuge, wobei das Hauptaugenmerk auf der Gestaltung und Umsetzung einer eigenen Kampagne liegt. Es ist reich an Intrigen und Geheimnissen, und filmreife Action kommt selbstverständlich nicht zu kurz. Was mir besonders gefiel, war die Art und Weise, wie sich das Material harmonisch in die ALIEN-Welt einfügt. Zwar geht es nicht immer nur um tödliche Außerirdische (das wäre dann doch eine recht kurze Kampagne), aber viele Elemente aus den Filmen werden thematisiert: Skrupellose Firmenbosse, nationale Interessen, schierer Überlebenswille, abtrünnige Androiden, Forschungen an außerirdischer DNA – nichts wird ausgelassen.

 

Nicht verpassen!

Heute Abend, am 03.02.2022, ab 19 Uhr, begeben sich tapfere Marines live auf Twitch in die dunklen Weiten des Weltalls. Unbedingt einschalten!

 

Zuletzt aktualisiert: 8. Februar 2022 by Ulisses Spiele GmbH



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