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Worldbuilding am Gymnasium – Ulisses fördert Pen & Paper in der Schule

17. Juni 2026

Ein Dutzend Schüler an Rollenspiele und Weltenbau heranführen und einfach mal selbst machen lassen. Das hat der Wiener Lehrer Nikolaus Heu in seinem Kurs gemacht.

Von Nikolaus Heu

6. Stunde: Rollenspiele selbst entwickeln

Wo sind sie, die Rollenspielautor:innen der Zukunft? Vielleicht kommen ja ein paar davon aus Wien. Im Realgymnasium Feldgasse im 8. Wiener Bezirk fand im vergangenen Herbst ein Kurs zum Thema Gamedesign und Worldbuilding in Pen & Paper-Rollenspielen statt. Die dreizehn Teilnehmer:innen, in Gruppen zu 2 – 5 Personen, hatten zum Ziel ihr eigenes Rollenspiel zu designen. Am Ende sollte es zu jedem dieser Systeme so etwas wie ein Schnellstarterset geben. Dies alles stellte sich als äußerst ambitioniertes Vorhaben heraus, deren Meilensteine nur teilweise erreicht wurden. Das Meisterstück, das 1983 die Erfinder von DSA vollbrachten – Ulrich Kiesow, Werner Fuchs und Hans-Joachim Alpers brachten damals ihren losen Vorstellungen innerhalb von sechs Wochen zur Druckreife – konnte jedenfalls nicht wiederholt werden. Nichtsdestotrotz ist der Weg das Ziel und die Belohnung ist, nach althergebrachter Rollenspieltradition, das Sammeln von Erfahrung(spunkten). Dieses Erfahrung Sammeln umfasste auch das Kennenlernen unterschiedlicher Rollenspielsysteme. Wie sehen Regeln und Hintergrundmaterial in Produkten auf dem Markt aus?

An dieser Stelle sei ein herzliches Dankeschön an Ulisses Spiele gesagt, die uns hierzu mit großartigem Material versorgt haben. Anhand der Starterboxen unterschiedlicher Systeme (Pathfinder 2.0, Bladerunner, Hexxen 1733) und einiger DSA-Schnellstartersets, konnten die Schüler:innen sich mit der Materie schnell vertraut machen.

Urheber: Nikolaus Heu

Einmaleins des Weltenbaus

Bevor es aber ans Eingemachte ging, musste man sich noch mit einigen Themen theoretisch auseinandersetzten. Nachdem sich die Gruppen mit einigen Wahrscheinlichkeitsverteilungen zu unterschiedlichen Würfel- oder anderen Zufallssystemen beschäftigt hatten, folgte das deutlich beliebtere Worldbuilding. Da bekanntlich Fiktion, im Gegensatz zur Realität, Sinn ergeben muss, traten auch hier zahlreiche Stolpersteine auf. Die Gruppen stellten sich gegenseitig ihre Weltentwürfe vor, was zahlreiche Logiklücken zu Tage führte. Wir nahmen’s mit Humor, lachten viel, und unterstützten uns dann gegenseitig mit semiprofessionellen Vorschlägen. Von Oktober bis November arbeitete jede Gruppe an ihrer Welt, drei archetypischen, vorgefertigten Charakteren, sowie einem kurzen Einstiegsszenario. Trotz durchaus ansehnlicher Ergebnisse, wurde schnell klar, dass wir professionelle Hilfe bitter nötig hatten. Glücklicherweise eilte uns Das-Schwarze-Auge-Redakteur Anton Weste in glänzender Rüstung zur Rettung. Geduldig ackerte er mit jeder Gruppe deren Welten durch. Mithilfe dieser Tipps und Tricks aus Antons Schreibwerkstatt konnten die rollenspielerischen Unebenheiten ausgeklopft werden. Tja, und was ist denn jetzt eigentlich bei der ganzen Sache herausgekommen? Hier ein paar kurze, zitierte Ausschnitte aus den Schüler:innenmaterial und kleinen Erläuterungen.

Cryogenesis

Genre: Sci-Fi, Postapokalypse, Eiswelt

Spielt auf einer erdähnlichen Welt, die früher Teil eines interstellaren, prosperierenden Hochtechnologie-Imperiums war.

Diese Welt ist komplett von Eis umschlossen. Lediglich kleine geothermischen Zonen mit nötiger Wärme für Zivilisation ermöglichen Leben.

Wegen Ressourcenarmut ist die Welt fraktioniert und kämpft um die letzten Ressourcen. Der Technologiestand variiert von Siedlung zu Siedlung stark. Eine Mischung aus Mittelalter/Frühindustrie bis hin zu hyperfuturistischer Technologie.

Dunkelziffer

Genre: Krimi, Mystery

Dunkelziffer ist ein Krimi-Rollenspiel. Es spielt in Wien und beleuchtet verschiedene Urban Legends. Das erste Mini-Szenario handelt von der Legende, dass während des Baus einer U-Bahn-Linie ein Arbeiter als Opfergabe lebendig eingemauert wurde, um den Bestand der Station zu sichern. Tatsächlich kann man bei hohen Temperaturen in der Station Stephansplatz den Geruch von Verwesung wahrnehmen …

Die Charaktere fahren im U-Bahn-Netz von Station zu Station, um Hinweise zu erhalten, die den aktuellen Fall aufklären können. Mit zwei vorgefertigten Charakteren kann man sofort einsteigen. Der Fall kann auch mit mehr Spielern angegangen werden.

Vengeance of the high Suns

Genre: Postapokalypse, Survival

In einer Wüstenwelt, geographisch und historisch der Erde ähnlich, leuchten statt einer einzelnen Sonne gleich sieben Sonnen am Himmel. Jede von ihnen war die körperliche Manifestation eines Sonnengottes, ein Ausdruck ihrer göttlichen Macht. Doch eine große Katastrophe machte fast den gesamten Planeten zur Gluthölle.

Die wenigen überlebenden Menschen und Cyborgs leben heute in kleinen Gemeinschaften innerhalb der Safe-Zones und kämpfen um ihren Fortbestand. Während Menschen Siedlungen errichten, reisen Cyborgs in die Hell-Zones, um Energie zu sammeln und Ressourcen zurückzubringen.

Wer Würfel sät, wird Spiele ernten

Und? Sind alle Spiele fertig geworden? Stehen sie schon in den Schaufenstern einschlägiger Spielegeschäfte? Wohl eher nicht. Dazu bräuchte es noch einiges an Weiterentwicklung. Hintergrund, archetypische SCs sowie Einstiegszenarien sind in einem ersten Entwurf fertig. In Grundzügen wurden auch schon Regel- und Spielmechanismen ausformuliert. Für eine angedachte Veröffentlichung müsste aber noch viel Arbeit reingesteckt werden. Nichtsdestotrotz hat das Projekt allen großen Spaß gemacht und lehrreich war’s natürlich auch. Und wer weiß, vielleicht werden wir ja von der einen oder dem anderen später einmal ein Rollenspiel in den Händen halten.


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Wir von Ulisses Spiele unterstützen gerne weiterhin Projekte wie diese. Wenn auch du ein Projekt organisierst, bei dem du unsere Unterstützung brauchen kannst, dann schreib uns eine Mail mit der Frage nach Support an feedback@ulisses-spiele.de

Daniel Friedrich
ÜBER DEN/DIE AUTORIN

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