Vom „Drumherum und Zwischenrein“ in den Verlorenen Landen

Die Aufgabe in Die verlorenen Lande ist so umfangreich wie anspruchsvoll: die Kaiserin des Raulschen Reiches sammelt ihre Streiter um sich der Herausforderung des verhassten Fürstkomturs zu stellen und ihn, mitsamt seiner Heptarchie vom Derenrund zu tilgen.

Nicht nur für die Heerscharen Rohajas ist der Weg zum avisierten Ziel – Mendena – lang, auch für uns Autoren war es eine fordernde Aufgabe. Gleich zu Beginn der Arbeiten keimte eine Vielzahl verschiedener Ideen für Questen, die die Heere auf ihrer Reise erwarten sollten. Denn die Questen, jene Stolpersteine, die die Existenzberechtigung unser aller Helden sind, sind fraglos der Kern (oder in unserem Fall: die Kerne) einer solchen Kampagne. Sie sind das, dessen Spieler sich gewiss sind, wenn sie voller Vorfreude den Charakterbogen vor sich platzieren, ihre Würfel zücken und ihren Spielleiter erwartungsvoll anblicken. Immer wieder tun sich (erwartet-)unerwartete Probleme auf, deren Lösung selbstverständlich denen in den Schoß fällt, die sich im selben Kontext schon vielfach bewährt haben: euren Helden.

Doch ein Kriegszug wie der in Die verlorenen Lande ist so viel mehr als das Hüpfen von Queste zu Queste. Ein solches Unterfangen schafft Umstände, die einmalig sind. Es gebiert Gemeinschaften auf Zeit, zwingt Menschen unterschiedlicher Herkunft, Abkunft, Prägung und Wesensart in eine Gemeinschaft, die beinahe täglich zwischen Alltagsroutine und den ungeahnten Schrecken der Schattenlande, wie auch den leidlich bekannten eines Krieges pendelt. Dies zu beschreiben, den einzelnen Abenteuern und Szenarien damit eine Art Klammer, einen erzählerischen Rahmen – oder ein „Drumherum und Zwischenrein“ – zu verpassen, war uns wichtig. Und so enthält der Band ein eigenes Kapitel, das sich genau diesen Nebenschauplätzen widmet. Wir skizzieren darin verschiedene Aspekte des Lebens auf dem Heerzug, wie beispielsweise dem Umgang mit Verwundeten und Kranken. Oder dem Umstand, dass Ruhm auch Schattenseiten hat, wenn allzu großer Ehrgeiz unerwünschte Folgen zeigt, wie auch aus ehernen Prinzipien, bisweilen unüberwindliche Hindernisse erwachsen können. Und wir würdigen den Sand im Getriebe hinreichend, indem wir einige Szenarioanregungen für die Ausgestaltung des Lagerlebens vorsehen. Denn auch hier, abseits der großen Schlachtfelder, gibt es für Helden zahlreiche Gelegenheiten sich zu beweisen.

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Fraglos sind es die großen Momente, die sich in unser aller Erinnerung brennen. Die Momente, da unser heißgeliebter Held am Ende einer schwierigen Aufgabe den Gegengenspieler überwindet, die Prinzessin befreit oder das Reich rettet. Doch sind es nicht auch unverhoffte Kleinigkeiten, zufällige Wegrandbegegnungen und gerade das Schicksal derjenigen, die darum ringen ihren Alltag zu bewältigen, die uns und unsere Spielfiguren berühren und sich als erinnerungswürdig erweisen? Das Heer und der ihm folgende Tross bietet unseren Helden eine Heimat auf Zeit und darin unverhoffte Gemeinschaften, mit all ihren widrigen, wie angenehmen Verbindlichkeiten, unverhofften Einblicken und Loyalitäten, aber auch unerwarteten Problemen und Lösungen. Vor allem aber ist der Heerzug das, was einer Konstante auf einer solchen Reise am nächsten kommt. Um dem gerecht zu werden, haben wir Anregungen zur Ausgestaltung des Heerzuges gesammelt und immer wieder ergänzt, was letztlich dazu führte, dass (auch) dieser Teil recht umfangreich geriet. So umfangreich, dass wir vor der Wahl standen, empfindlich zu kürzen, oder unser Seitenkontingent zu sprengen. Glücklicherweise fiel die Entscheidung auf letzteres. Und so sind Die verlorenen Lande nun zwar 24 Seiten länger, inhaltlich aber auch um einiges reicher. Ein Ergebnis, das uns Autoren sehr freut.

In diesem Sinne hoffen wir, diese Freude an euch und eure Spielrunde weiterzugeben und so zu Begegnungen anzuregen, deren Bedeutung möglicherweise gering ist, die aber dennoch euer Herz berührt. Auf dass es später nicht nur heißt: „Weißt du noch, damals, als wir Mendena genommen haben?“ sondern vielleicht auch „Weißt du noch der Bäckerlehrling damals auf dem Schwertzug gegen Haffax? Wie er anfangs die Dunkelheit fürchtete und dann über sich hinauswuchs, weil du dich seiner annahmst? Was wohl aus ihm geworden ist?“

Katja Reinwald

Zuletzt aktualisiert: 28. April 2015 by Ulisses Spiele GmbH



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