Spherechild: Ein missverstandenes Volk – Richtigstellung eines Qwe

Alexander Hartung versetzt sich in diesem Blogbeitrag in die Rolle eines Qwe, Mitglied eines Volkes aus dem Rollenspiel Spherechild:

Uns Qwe haftet der Ruf an, heimtückisch, bösartig und frei von jeglicher Moral zu sein.

Ich finde das ein wenig verallgemeinert und viel zu negativ. Ich hätte uns mehr als pragmatisch und einfallsreich beschrieben. Wir sind Freigeister, welche die veralteten Konventionen hinter sich gelassen haben, anders als die anderen Völker. Auf unsere Art sind wir somit das fortschrittlichste Volk Valcreons, aber wir haben uns längst an die Vorurteile gewöhnt. An die misstrauischen Blicke, das ängstliche Festhalten der Geldbörsen oder die ausführlichen Durchsuchungen am Stadttor.

Also ich verstehe die Aufregung nicht. Eine kleine Anekdote soll meinen Standpunkt hierzu verdeutlichen:

Vor vier Tagen war ich in Teromberg unterwegs, einer der größten Handelsstädte überhaupt. Um meine Reisekasse ein wenig auszufrischen besuchte ich des Nachts einen wohlhabenden Schmuckhändler. Ich wollte ihn in seiner Nachtruhe nicht unnötig stören, also ließ ich mich selbst hinein. Schließlich bin ich, wie übrigens alle Qwe, rücksichtsvoll.

Die magischen Sicherungen waren schlampig und hätten nicht einmal meine Nichte aufgehalten – und die ist erst acht Jahre alt. Die Schlösser waren ebenso wenig ein Hindernis und, Dank meiner Kontakte zur örtlichen Diebesgilde (und deren Bodenpläne), war ich schnell im Ankleidezimmer der Hausherrin.

Ich begnügte mich mit vier Diamantkolliers (ich wollte sie ja nicht ausrauben) und schwang mich über den Balkon in den Garten, als sich ein Wachmann näherte. Ich war leise wie ein Schatten gewesen, daher musste er wohl einen Tipp von einem meiner „Brüder“ aus der Diebesgilde bekommen haben.

Nur um das klarzustellen, ein Qwe hätte so etwas nicht gemacht, aber nicht alle Völker haben einen solchen Ehrenkodex.

Der Wachmann gehörte zu dem Volk der Vendal. Gut 2,40 groß, muskulöse Statur und gerüstet mit einem Kettenhemd. Sein Kriegsschwert hätte ich nicht einmal hochheben können und von den silbernen Flügeln seines Stahlhelms hätte man eine Qwe-Familie ein Jahr lang ernähren können.

Wie die kriegerischen Vendal nun mal sind, begann er das Duell mit einer Vielzahl an Beleidigungen, erzählte etwas von der Unehrenhaftigkeit der Diebe und drohte mir gar schreckliche Todesarten an. Ich gab mir Mühe eingeschüchtert zu wirken und zog derweil heimlich mein Blasrohr aus der Tasche. Als er den Kriegsgott Thorn um Kraft für den Kampf anrief, schoss ich meinen ersten Pfeil ab. Das darauf enthaltene Betäubungsgift war selbst für einen Vendal mehr als ausreichend. Ich wollte nicht geizig sein, also spickte ich sein Bein mit zwei weiteren Pfeilen. Nur um dies hervorzuheben. Wir Qwe sind ein friedliches Volk. Unnötige Gewalt, wie sie z.B. eben diese Vendal regelmäßig einsetzen, ist uns ein Gräuel. Außerdem wird die Verletzung seiner Ehre dem Vendal viel mehr wehtun, als ein Stich mit einem Dolch, das nur nebenbei.

Man muss ihm zugute halten, dass er es fast bis zu mir geschafft hatte, bevor ihn das Gift in das Reich der Träume versetzt hatte.

Ich hätte mich ja noch gerne mit meinem neuen Bekannten weiter unterhalten, aber spätestens nach seiner Litanei war die halbe Stadt aufgewacht. Sofort loszurennen wäre eine gute Idee gewesen, aber eine kleine Lektion musste sein, schließlich hatte er meine Vorfahren auf unziemliche Weise beleidigt, auch wenn ich mir nicht sicher war, wie sie das anatomisch hätten bewerkstelligen sollen. Vendal sind nicht die klügsten Gesellen auf unserer schönen Welt.

Ich brach einen silbernen Flügel aus dem Helm und hastete zur Strickleiter an der Mauer. Keine Sekunde zu spät, denn der Vendal war offensichtlich nicht der einzige Wächter auf dem Grundstück gewesen. Ich kletterte schnell auf die Mauer, schnitt ein Trageseil der Leiter ab und sprang zurück auf die Straße. Keine vier Straßenecken weiter war der große Markt noch in Gange. Ich beschaffte mir einen Umhang, tauchte in der Menge unter und war aus Teromberg hinaus, bevor die Stadtwachen einen Tipp bekommen hatten.

Also, lieber Leser, was lernen wir nun aus dieser kleinen Begegnung.

1. Wir Qwe sind weder bösartig, noch heimtückisch. Schließlich habe ich mich meinem Gegner offen zum Zweikampf gestellt und darauf verzichtet, ihn zu töten. Andere Völker würden darin einen moralisch hochwertigen Akt der Barmherzigkeit sehen.

2. Wenn du dich schon mit einem Qwe anlegst, dann verplempere keine Zeit mit Reden.

3. Rüstungen machen nur Sinn, wenn sie den ganzen Körper bedecken.

4. Man sollte immer ein wenig Betäubungsgift in der Tasche haben.

5. Doch die allerwichtigste Lektion, die wir lernen können ist die: Leg dich nie, niemals, auf gar keinen Fall mit einem Qwe an.

Ich hoffe, meine kleine Anekdote konnte dazu beitragen, ein paar Missverständnisse über die Qwe zu beseitigen.

 

Zuletzt aktualisiert: 5. Dezember 2012 by Ulisses Spiele GmbH



Ulisses Onlineshops

F-Shop

F-Shop

Alle Artikel zu Ulisses, Fanartikel und vieles mehr gibt es hier!

E-Book-Store

Ulisses E-Books

Tolles Lesematerial findet ihr in unserem E-Bookshop

GetShirts

Get-Shirts

Tolle T-Shirts in allen Größen - zeig wofür dein Herz schlägt

Collectors Club

Collector’s Club

Das Schwarze Auge Sammlerstücke soweit das Auge reicht.