Produktion & Pandemie – Das neue, nervenaufreibende Rollenspiel

Produktion & Pandemie – Das neue, nervenaufreibende Rollenspiel

Nachdem wir in der letzten Zeit mehrfach Ankündigungen und Verlautbarungen bezüglich der Erscheinungstermine unserer Produkte und speziell bezüglich unserer Crowdfunding-Auslieferungen kurz darauf wieder revidieren mussten, wird es Zeit, euch einen tieferen Einblick in die Sachlage zu geben.

 

 

 

Die Pandemie hat nicht nur unser privates Leben, sondern auch die weltweite Wirtschaft fest im Griff. Hierbei hat nicht alles direkt mit den Auswirkungen von Covid-19 zu tun (z. B. geschlossene Fabriken oder geschlossene Grenzen), sondern auch mit mittelbaren Effekten (z. B. ein Zulieferer kann nicht liefern, deswegen kann die Produktion nicht weitergehen etc.). Hinzu kommt eine durch die wieder erstarkte Nachfrage erzeugte Materialknappheit – sprich plötzlich wollen alle die verlorenen Monate aufholen und die Produktion von Basisressourcen kommt nicht hinterher.

Aber der Reihe nach: Zu Beginn der Pandemie war es ein einziger Wilder Westen. Die Produktion in China stoppte von einem auf den anderen Tag – und alle unsere dort platzierten Bestellungen lagen auf Eis. Wie ihr alle wisst, betraf dies vor allem die Würfelproduktion (allein bei dem Wort bekomme ich Schweißausbrüche), doch auch andere Materialien wie Stoffkarten oder Pokerchips waren betroffen. Faktisch alles, was nicht ausschließlich aus Papier besteht.

Glücklicherweise hatten wir schon im Jahr zuvor begonnen, möglichst viel von unserer Produktion aus China abzuziehen und uns Partner in Europa zu suchen, z. B. für unsere Würfelschalen. Die Gründe hierfür sind vielfältig, doch vorrangig ging es uns darum, die Transportwege zu verkürzen, sowohl aus ökonomischem als aus ökologischem Antrieb. Hierfür haben wir mitunter deutliche Preiserhöhungen in Kauf genommen. Leider mussten wir dann feststellen, dass fast alle unsere neuen Partner ebenfalls nicht liefern konnten, denn am Ende haben sie selbst in China produziert. Das war etwas ernüchternd, doch am Ende hat es uns dabei geholfen, die richtigen Partner zu finden. Inzwischen lassen wir nur noch die Dinge in China produzieren, die wir aktuell nirgendwo anders bekommen können und leider sind dies noch immer deutlich mehr, als wir uns wünschen würden. Doch wir arbeiten daran!

 

So viele Unsicherheiten

Zurück zum Thema: Was ist noch passiert in den Frühtagen der Pandemie? Es herrschte allenthalben große Verunsicherung darüber, wer noch produziert. Darf man überhaupt noch produzieren? Kommen die Waren überhaupt an (Stichwort geschlossene Grenzen). Und am wichtigsten: Soll man überhaupt noch produzieren? Keiner wusste, wie sich die Lage entwickeln würde, und gerade bei den großen Buchverlagen wurde die Produktion schlagartig deutlich heruntergefahren. Das hat es uns in dieser Phase sogar sehr leicht gemacht, Druckslots zu bekommen, teilweise haben uns unsere Drucker regelrecht um weitere Aufträge angebettelt.

Das klingt im ersten Moment vielleicht gar nicht schlecht, doch solche Entwicklungen erzeugen immer einen Bumerang-Effekt. Nachdem die Druckereien weniger Aufträge bekamen, haben sie ihre Bestellungen bei den Papier- und Pappelieferanten drastisch gekürzt. Und auch hier spielte die Unsicherheit eine große Rolle, was immer wieder zur Verknappung von speziellen Materialien (z. B. bei einzelnen Kunstledersorten) führte.

Spulen wir das alles mal ein paar Monate nach vorne: Der Sommer ist vorüber, man hat sich mit der Pandemie arrangiert, die Nachfrage zieht wieder an und bei den Firmen haben sich etliche Projekte aufgestaut. Die Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf und plötzlich wollen ganz viele Projekte gleichzeitig durch die Pipeline. Überall kommt es zu Verzögerungen und die Preise ziehen an. Auch diese Entwicklung arbeitet sich durch die Lieferkette, denn die Papier- und Pappelieferanten kommen mit den Mengen nicht hinterher und erhöhen die Preise aufgrund der knappen Ressourcen noch weiter – das nennt sich dann freier Markt.

All das führt zu einer immer schwieriger werdenden Produktionssituation, denn feste Zusagen sind plötzlich nichts mehr wert und die Ware kommt an, wenn sie eben ankommt. Diese Situation steuert gerade auf ihren Höhepunkt zu und um ehrlich zu sein, so etwas habe ich in dieser Form noch nicht erlebt. Wir sind wieder im Wilden Westen angekommen, doch diesmal wird auch scharf geschossen. Da kommen Aussagen wie: „Kann erst bis Tag XXX geliefert werden – aber wenn es tatsächlich 6 Wochen früher gebraucht wird, können wir leider die Preise nicht halten“. Das ist gerade in einer so finanzschwachen Branche wie der unseren extrem bitter.

Allerdings möchte ich darum bitten, dass dies nicht falsch verstanden wird. Ich mache meinen Druckern keine Vorwürfe! Mit den meisten arbeiten wir seit vielen Jahren eng und vertrauensvoll zusammen. Keiner von denen will sich an uns bereichern, doch die Materialkosten, die ihnen entstehen, wenn sie Papier von „Ich-will-gar-nicht-wissen-woher“ besorgen, müssen sie natürlich weitergeben. Und wenn das benötigte Material nicht am Lager ist, kann schlicht nicht produziert werden.

 

Doch wir sind noch nicht am Ende unseres spannenden Settings angekommen – einen habe ich noch!

Ganz viele Firmen haben ganz viel produzieren lassen, und diese Waren müssen verschickt werden. Auch wenn zwischenzeitlich die Schiffe halb leer gefahren sind und die Züge in den Bahnhöfen standen, ist hierdurch kein „Zeitguthaben“ entstanden. Die Logistikbranche kann aktuell die Nachfrage nicht mal ansatzweise befriedigen und es kommt so kuriosen Situationen wie „Sorry, die Ware war da, das Schiff war da, doch wir konnten die Ware nicht verladen, denn es gab im ganzen Hafen keinen einzigen Container mehr.“ Im Moment ist es billiger, einen neuen Container zu kaufen, der in 3 Monaten geliefert wird (muss natürlich noch produziert werden), als einen 3 Jahre alten gebrauchten Container zu nutzen, der bereits existiert. Macht keinen Sinn, aber so ist es momentan.

In der Luftfracht ist die Situation sogar noch dramatischer, denn es fliegen kaum noch Passagiermaschinen und die haben (was die meisten nicht wissen dürften) einen Löwenanteil der Lufttransporte sozusagen nebenbei miterledigt. Von daher ist es uns aktuell komplett unmöglich, selbst die wichtigste Ware zu fliegen, denn die Kosten haben sich seit Beginn der Pandemie verachtfacht und befinden sich weiterhin im freien Anstieg.

Ach, und ein Schiff, das den Suezkanal blockiert, hilft der ganzen Sache natürlich auch nicht.

 

 

Für mich als Produktioner sind das absolut irre Zeiten und so langsam beschleicht mich das Gefühl, dass die Regeln für „Geistige Gesundheit“ in diesem Spiel nicht gut gebalanced sind. Doch wie bereits erwähnt – wir tun unser Bestes und wir versuchen euch nach Kräften auf dem Laufenden zu halten. Wenn es euch dabei manchmal so vorkommt, als ob wir nicht wissen würden, was wir tun, wenn wir einen Termin ankündigen und ihn dann drei Tage später wieder ändern, dann liegt das schlicht daran, dass unser Wurf auf „Kaffeesatzlesen“ ein Patzer war.

Gleichzeitig bin ich mir sicher, dass auch dieser Knoten bald platzen wird. Allerdings wird es dann wieder einen Moment dauern, ehe die daraus resultierende Welle ihren Weg durch die Produktionskette genommen hat. Vor Mitte des Jahres werden wir und somit auch ihr, diesbezüglich keine spürbare Entspannung bemerken.

Langer Rede kurzer Sinn: Bitte seid nachsichtig mit uns, denn viele Dinge entziehen sich im Moment unserer Kontrolle.

Viele Grüße, euer Markus



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