Namenlose Nacht: ein Interview mit Anton Weste

Morgen erscheint mit Namenlose Nacht das erste ab 18 Jahren empfohlene Abenteuer, welches  exklusiv über den F-Shop erhältlich ist und mit einem Gratis-PDF daherkommt. Da Tom Finn gerade emsig an seinem neuen Roman schreibt, war Anton Weste so freundlich, mir Rede und Antwort zu stehen, und etwas mehr über das langerwartete Abenteuer zu verraten.

 

Eevie: Hand aufs Herz: Wie seid ihr auf die Idee zu einem Abenteuer gekommen, das in einer Therme spielt und das ausgerechnet in den namenlosen Tagen?

Anton: Am Anfang stand eine kurze Beschreibung der Namenlosen Tage, die es schon seit über 20 Jahren in dieser oder ähnlicher Formulierung gibt, zuerst wohl in „Die Götter des Schwarzen Auges“ von 1989:

»Dass fünf Tage übrig bleiben, wenn man das Jahr gerecht auf zwölf Götter verteilt, kann nur die Schuld des Gottes ohne Namen sein, und daher gehören diese Tage ihm. Keines der üblichen Gesetze gilt, das Chaos hat freie Hand; was das bedeutet, hängt allerdings von der jeweiligen Kultur ab:
Die Nivesen fürchten sich zu Tode und setzen alle zu dieser Zeit geborenen Kinder aus; die Thorwaler sind durch nichts dazu zu bewegen, in See zu stechen; die Bauern in ganz Aventurien verlassen ihre Häuser fünf Tage und Nächte lang nicht; im Bornland und im Lieblichen Feld dürfen keine Geschäfte abgewickelt, keine Urteile gefällt und keine Waffen getragen werden. Und in den großen Städten des Neuen Reiches geben sich die Menschen weiter ihrem Treiben hin – zwischen Rahja und Praios werden die rauschendsten Feste und wüstesten Orgien des ganzen Jahres gefeiert …«

Dieser Gegensatz hat mich schon immer fasziniert – äußerste Furcht und Demut hier, größte Ausgelassenheit und Exzesse dort. Was sind das für Menschen, die gerade in den Namenlosen Tagen feiern?

Die Möglichkeit, das zu erörtern, hatte sich eigentlich schon 2008 ergeben: Damals war von Tom Finn und mir ein Kurzabenteuer zum 25jährigen Jubiläum von DSA geplant, das sich um Archon Megalon drehen sollte. Der umtriebige Druide fiel aus diversen Gründen aus der Planung heraus (aber wer weiß, vielleicht werden wir diesen Plot später noch einmal verwirklichen) und wir brauchten ein neues, knackiges Thema. Schwupps kamen wir auf eine Orgie während der Namenlosen Tage, in die die Helden unvermutet hineinstolperten und die sich während ihres Verlaufs zum Schlimmeren wenden sollte. Ganz klassisch kamen wir zum Konzept eines closed room-Settings, in dem sich die Handlung in engen räumlichen Grenzen abspielen und verdichten sollte. Damit die behandelten Gegensätze des Abenteuers möglichst griffig und pompös wurden, bot sich Gareth als Schauplatz an: Die Metropole gibt sich im öffentlichen Leben anständig, ist auf den zweiten Blick aber reichlich verdorben. Und darin eine Therme als Ausdruck hedonistischer Freuden und maßlosen Überflusses, auch noch erbaut von den feierfreudigen Kaiserzwillingen Bardo und Cella, war wie maßgeschneidert für die gewünschte Atmosphäre. Ausschweifungen, Genuss auf Kosten anderer und Sexualität wurden zu einem zentralen Thema des Settings und bereiteten am Spieltisch thematisch den Boden für die eigentliche, sich zuspitzende Handlung. Dass die Helden die Therme wahrscheinlich nicht mit dem Arsenal ihrer üblichen Ausrüstung und Bewaffnung betreten werden, sondern Bedrohungen mit – augenzwinkernd gesprochen – Kernseife in der Linken und ein paar Lümmeltüten in der Rechten bekämpfen müssen, war willkommener Nebeneffekt.

Aus der Veröffentlichung zum 25jährigen Jubiläum des Schwarzen Auges wurde nichts, da die zugehörige Anthologie nicht verwirklicht wurde. Nun, dann erscheint es eben zum 30jährigen Jubiläum als volljähriges Abenteuer.

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Eevie: Wenn du das Abenteuer mit 5 Adjektiven beschreiben müsstet, welche wären das?

Anton: barock, spannend, zotig, umfangreich ausgestattet, leicht jugendgefährdend ;-).

 

Eevie: Das Abenteuer ist als große Spielwiese aufgebaut, und die Helden können sogar gleich mehreren Handlungssträngen folgen. Wie habt ihr die verschiedenen Geschichten miteinander verwoben und für die Spieler aufbereitet?

Anton: Die Handlungsgeflechte haben verschiedene Berührungspunkte, die sich aus den Motivationen der Meisterpersonen und folgerichtigen Entwicklungen ergeben. Die Aufgabe der Helden besteht unter anderem darin, herauszufinden, wer für welche Machenschaften verantwortlich ist und wer bei der alles entscheidenden Bedrohung Feind oder möglicher Verbündeter ist. Diese große Bedrohung wird dann auch für die einzelnen Handlungsstränge zum ersten Dominostein, der viele Dinge in Bewegung geraten lässt. Kryptisch? Ja, aber nahezu spoilerfrei. 🙂 Euer Meister wird es Euch danken.

 

Eevie: Was genau macht Namenlose Nacht besonders?

Anton: Ein unverbrauchtes Setting mit einer ausführlich zu erlebenden, verruchten Orgienfeier. Der für uns Autoren befriedigende Kniff, ein altes Geheimnis aus 30 Jahren DSA ausgegraben und mit Leben zu erfüllen. Eine überdurchschnittlich ausführliche Handreichung für den Spielleiter, der anstößig viel Material bekommt, um seine Gruppe durch den Sündenpfuhl zu schicken.

 

Eevie: Vielen herzlichen Dank für das Gespräch, Anton!

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2014 by Ulisses Spiele GmbH



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