Das Praiosfest – Teil 7 der Gewinnerbeiträge

Hier hatten wir euch eingeladen, einen kurzen Artikel, ein Gedicht oder eine Kurzgeschichte zum Praiosfest zu schreiben. Die Gewinnerbeiträge präsentieren wir euch nach und nach in diesem Blog. Heute: Teil 7 der Beiträge.

 


Von Sebastian Rosada:

Angenburg, Grafschaft Wengenholm

Große Ehre für die provinzielle Grafschaft am Kosch: Ihre Gnaden Praiosmin Bachfurter, Donatoris Lumini aus Ferdok, weilte während der Namenlosen Tage als Gast bei Seiner Hochwohlgeboren Graf Jalik von Wengenholm. Die Praiosgeweihte befand sich auf einer Pilgerreise gen Andergast und zelebrierte auf den Wunsch des Grafen hin die bekannte „Wengenholmer Praioswend“. Nachdem die immer noch zu großen Teilen zerstörte Angenburg von der Geweihten als unpassender Ort für solch ein Ereignis empfunden wurde, lud man auf die Festwiese des Dorfes zum Neujahrsfest ein. Freibauern, Handwerker, Leibeigene und einige Adelige des Wengenholmer Schwurbundes strömten am 1. Praios in ungewohnt großer Menge nach Wengenholm. Allein die Anwesenheit der Praiosgeweihten hatte sich in den Namenlosen Tagen herumgesprochen und ein Feuer der Hoffnung in den Herzen der Menschen entfacht. Als ein althergebrachtes Symbol hierfür trugen viele der Anwesenden ein Licht in Form von Fackeln mit sich, welche sie in ein großes Dankesfeuer warfen. Vom Hügel der Angenburg herab rollten ein ums andere Mal Sonnenräder aus brennendem Stroh, welche von Ihrer Gnaden Bachfurter mit wohlwollendem Blick beobachtet wurden. Die Geweihte schien von dem Szenarium gefesselt, als sie, ganz volksnah inmitten der Menschenmenge stehend, eine beeindruckende Ansprache über das Licht des Herrn Praois begann, das den Menschen in den dunkelsten Stunden den Weg weise. Mit den ergreifenden Worten „Mag die Dunkelheit auch übermächtig erscheinen – das Licht des Glaubens wird siegen!“ schloss sie, um anschließend „Praois – Mein Licht“ anzustimmen, in das die Menge begeistert einfiel. Im Anschluss daran ließ Graf Jalik mehrere Fässer Bier anstechen und einen fetten Ochsen für die Anwesenden braten. Die Adeligen des Schwurbundes und die Geweihte zogen sich mit dem Grafen zum privaten Gebet in die Angenburg zurück. Von diesem außergewöhnlichen Festtag wurde im Dorf noch lange gesprochen.

Darian Hevelsen


Von Susanne Töpfer:

Der längste Tag

Dergelheim

Der Zufall war es, der mich dieses Jahr die Sonnenwende nicht in Gareth, sondern einem kleinen Ort der Wildermark verbringen ließ. Wie still es hier in den Namenlosen Tagen gewesen war, wie bedrückend. Da geht man freiwillig in den Tempel. So hatte ich die Bekanntschaft des einzigen hiesigen Praiosgeweihten gemacht, ein ungewöhnlich stiller Mann, der mir erlaubte ihn an diesem höchsten Feiertag zu begleiten.

Es war noch stockdunkel, als die Wirtin meiner Unterkunft mich weckte. Hundemüde war ich und ein Blick auf meinen Begleiter, der bereits auf mich wartete, zeigte mir, dass es ihm nicht besser erging: "Schlaf gönnt mir der Herr Boron im Winter", meinte er nur lächelnd und dass der Tempel nun einmal bei Sonnenaufgang geöffnet würde.

Kaum war dann die Sonne endlich zu sehen, begannen die Menschen allerlei Blumenschmuck, Leckereien und kleine Geschenke für die zwei heutigen Initiaten zum Tempel zu tragen. "Meine erste Initiation ohne Hilfe", gestand mir seine Gnaden irgendwann nervös, lies sich aber sonst nichts anmerken. Der Praiosdienst, der unter freiem Himmel abgehalten wurde, kam mir unglaublich klein vor, ernst und ganz anders im Ton als die große Feier Gareths. Hier waren Menschen versammelt, bunt gemischt, vom Bauern zum Lehnsherr, die Praios als Gott feierten, der "halt alles wieder gut macht", wie ein alter Mann zu mir meinte. Momente wie dieser zeigten mir, wie geschunden dieses Land wirklich war. So verwunderte es mich auch nicht, dass die Worte des Geweihten eher von Hoffnung sprachen, als beständige Mahnung zu sein. Gefeiert wurde dann jedoch auch, bis spät in die Nacht und als ich mich umsah, sah ich seine Gnaden am Rande des Festes schlafen, mit einem Lächeln auf den Lippen. Seinen längsten Tag hatte er wohl überstanden und der Herr Praios sieht es ihm sicherlich nach, dass er zum Ende vielleicht etwas nachlässig in seiner Pflicht geworden ist, den Tempel am Ende dieses Feiertages auch wieder zu schließen.

Namid Perainsheide

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2013 by Ulisses Spiele GmbH



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